Sonntag, 4. Dezember 2011

Portraits, rauh und nah dran

Wie ja bereits vor kurzem geschrieben, suche ich in meiner Portraitphotographie derzeit nach Aufnahmen, die sich mehr durch Emotionalität, Nähe und eine gewisse Rauheit auszeichnen als rein durchs klassisch Schöne. Was nicht heißt, dass der Ansatz die Schönheit außen vor lässt, sie ist für mich nur eine ehrlichere, direktere Schönheit im Gegensatz zu der stilisierten etwa in der Beauty-Photographie.

Eine Gelegenheit, mit diesem Ansatz zu arbeiten, bekam ich spontan in Berlin geboten und kann mich für den Einsatz und das Vertrauen meiner beiden Modelle nur bedanken. Heute gibt es von dem Shooting schonmal zwei Bilder zu sehen, mehr werden sicher noch folgen in Zukunft.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Betrachten und einen guten Ausklang des Wochenendes.



Samstag, 3. Dezember 2011

Die Ästhetik des Belanglosen

Im Rahmen meiner zahlreichen Experimente der letzten Zeit, versuche ich mir immer wieder neue Herausforderungen zu setzen, an denen ich meine Fähigkeiten testen und womöglich auch etwas interessantes dabei produzieren kann. Zu einigen Experimenten werde ich in Zukunft hier auch noch etwas schreiben, etwa von meinen Ausflügen mit dem Holga-Objektiv, Versuchen, Bildern durch den Entzug von einem klaren Fokuspunkt eine andere Ästhethik zu geben und dem Arbeiten mit analoger Photographie. Zusätzlich will ich in Zukunft hier regelmäßiger bloggen, dafür aber öfter auch nur ein oder zwei Bilder, statt wie meistens ein ganze Serie. Wir werden sehen wie das so klappt.

Von den selbstgestellten Aufgaben war eine bei meinem Berlin-Trip, sich ein belangloses Objekt des Alltags zu nehmen und quasi nach der darin verborgenen Ästhetik zu suchen. Meine Wahl fiel hier auf die Treppen rund um den Berliner Hauptbahnhof, an denen ich mich dann (unter manch verwundertem Blick) abgearbeitet habe. Ob es mir gelungen ist, da was interessantes heraus zu bekommen überlasse ich mal eurer Bewertung. Für die Technik-Fraktion: Die Bilder wurden alle mit einem 85mm-Objektiv bei Blende 2,8 aufgenommen.

Hier meine Ergebnisse davon, eine Treppe zu portraitieren:





Freitag, 2. Dezember 2011

Gedanken, Krisen, Ausblicke

Schwierige Zeiten haben mich die letzten Monate begleitet. In der Umsetzung meiner Kunst stoße ich immer wieder an Grenzen, Mauern, die bei der Ideenentwicklung oder bei der Realisierung solcher behindern. Damit zweifele ich immer wieder daran, ob überhaupt meine Fähigkeiten ausreichen, ob vielleicht doch der eingeschlagene Weg wirklich Irrsinn ist, schlicht nicht genug Talent vorhanden ist und alles andere nur ein Vor-sich-hin-Träumen ist von einer unerreichbaren Zukunft. Der Drang, die Kamera einfach zu nehmen und gegen die Wand zu knallen, um sich anschließend doch einen konventionellen Lebenslauf zu suchen, meldet sich da immer mal. Aber Selbstzweifel haben mich schon immer begleitet, manchmal sind sie nur stärker als sonst. Die letzten Monate sind so eine Zeit.
Stark damit verbunden waren die letzten Lebenswochen meiner Oma, die für mich immer ein wichtiger Bezugspunkt war, eine Person, die mich und alles was ich tue immer ohne Bedingungen akzeptiert hat und stolz auf mich war, selbst wenn ich keinen Grund dafür fand. Schon einige Zeit an Demenz erkrankt, wurde es nach einem Schlaganfall und anschließenden Krankheiten seit Sommer kontinuierlich schlechter. Es blieb das Gefühl, dass dieser Mensch, der mir immer bedingungslose Unterstützung gegeben hat von der Demenz langsam immer weiter von mir und der Welt als Ganzem weggezogen wurde. Und selbst konnte man nur hilflos zusehen, wie ein Leben sich langsam auflöst.
Vor ein paar Wochen war es dann soweit Abschied zu nehmen und nur mühselig kämpfte sich das Gefühl durch die eigenen Schutzmechanismen nach oben, wie viel man selbst verloren hat durch dieses Lebensende. Und Worte bleiben ungenügend, es klar zu formulieren, es bleibt ungesagt und durchfließt alle Adern des Körpers, wie ein schleichendes Gift. Gleichzeitig hält der Alltag aber nicht an, das Leben rauscht weiter und ich hatte den Eindruck, in diesem Rausch zu ertrinken, nicht mehr zu wissen, ob es noch Sinn macht, für seinen eigenen Weg zu kämpfen oder ich mich auch einfach mit treiben lassen kann im Fluss der Existenzen, bis auch mich das Unausweichliche begrüßt.


Doch besonders in der Phase des Abschied Nehmens und danach schien meine Kreativität sich neue Bahnen zu suchen, ausgeprägter, präsenter als je zuvor zu werden. Tendenzen, die sich schon in meinen Arbeiten der letzten Monate andeuteten, wurden mir immer klarer und in der Folge davon auch, was ich eigentlich wirklich kreieren will. Immer bewusster lief ein Prozess an, die (gedachten) Erwartungen anderer Leute an die eigenen Arbeiten in Frage zu stellen und sich von diesen zu verabschieden. Stattdessen blicke ich immer tiefer in mich und bringe hervor, was wirklich ich selbst umsetzen will. Das klassisch Schöne als Hauptziel in der Portraitphotographie interessiert mich immer weniger, vielmehr bin ich an persönlichen Aufnahmen interessiert, die sowohl roh und direkt als auch sanft und schüchtern sein können, aber abseits einer stilisierten Schönheit viel mehr Wahrheit mit sich bringen können.
Auch konzeptionellere Projekte spuken schon länger in meinem Kopf herum und nehmen immer konkretere Formen an, manchmal blieb das Gefühl, dass mein Kopf kurz vorm platzen steht, wenn ich nicht bald ein paar Ideen auch da raus in die Realität bringen kann.
Darin kulminierend, dass mich der Alltag zu erdrücken drohte habe ich mir letzte Woche für ein verlängertes Wochenende eine Auszeit genommen und mich nach Berlin bewegt. Dort habe ich meine Zeit hauptsächlich draußen auf den Straßen verbracht, immer mit der Kamera in der Hand, immer auf der Suche nach Momenten und Beiträgen zu meinen Projekten. Nur die späten Abende habe ich, mit Notizbuch in der Hand, dazu genutzt, meine gesamte Herangehensweise an das Kreieren meiner Bilder in Frage zu stellen und wirklich zu prüfen, welche Teile meiner Arbeitsweise ich für gut befinde und welche ich für überarbeitungswürdig halte. Viele gute Haare habe ich nicht daran gelassen, so viel sei gesagt. Was sich ändern soll, habe ich dann tagsüber mit der Kamera in der Hand auch gleich versucht, umzusetzen.


Natürlich ist es kein Prozess, der schlagartig abzuschließen ist, aber das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, zog sich durch die Zeit durch. Am letzten Tag in der Hauptstadt hatte ich dann auch noch die Gelegenheit zu einem spontane Portraitshooting, bei dem mir meine beiden Modelle viele Freiheiten gegeben haben, an meinen neuen Ansätzen zu arbeiten. Und mit dem mir entgegengebrachten Vertrauen entstanden dabei Arbeiten, die für mich gut als Aushängeschild dienen können, was ich derzeit realisieren will in der Menschenphotographie und auf die ich, ganz nebenher, tatsächlich etwas stolz bin. Meinen beiden Modellen bin ich für die Zusammenarbeit sehr dankbar, allgemein bin ich dieses Jahr damit gesegnet worden, mit einigen anderen Kreativen zusammenarbeiten zu dürfen. Und gerade in diesem Miteinander entstehen für mich die besten Arbeiten, wenn alle Beteiligten sich voll auf das Projekt einlassen können.
Grundtenor dieses (teilweise etwas sprunghaften) Artikels ist, dass ich zwar mit einigen Krisen zu kämpfen habe, aber gerade dieser Kampf mit dazu beiträgt, dass ich tatsächlich dem näher komme, was ich wirklich als Künstler erschaffen will. Ich denke, es steht ein interessanter Jahresabschluss und ein aufregendes neues Jahr an, in dem ich hoffe, weiter mit so vielen interessanten Menschen zusammen arbeiten zu können, wieder mit denen, wo ich das schon getan hab, aber sicher auch ein paar neuen.
Und wenn ich eins aus dem Leben meiner Oma lernen kann, dann, dass es nicht darauf ankommt, wie schwer die Zeiten sind, sondern dass man den Kopf hochhält und schaut, was sich aus den Trümmern neues schaffen lässt.

Freitag, 21. Oktober 2011

Worte, ein Bild. Die Zweite.


Um Worte ringen,
im Krieg liegend
mit dem eigenen Hirn,
scheitert der Versuch
ein wenig Sprache herauszuwringen
wie dreckige Wassertropfen
aus nassen Lappen.
Versteckt in Stille,
voller Drang zu schreien,
doch was?

Das Hirn rast,
die Zunge bleibt liegen,
wie gelähmt im Mund,
der zum Sprechen
nicht taugt.
Kaum ein Blick
und die Gedanken,
sie rennen los.
Bauen Zukunftsgebilde,
lassen im Farbenrausch
ganze Welten entstehen,
bis sie im Schweigen
wieder versinken,
vergessene Universen
vom schwarzen Loch
gefressen.

Sonntag, 25. September 2011

Worte, ein Bild. Kunst?

Ich wandre vorbei,

sehe eure Leben,

berühre im Vorbeigehen

leicht eure Seelen.


Sammel euren Schmerz,

euer Leid fließt

durch meine Finger

aus euch hinaus

zu meinem hinzu.



Befreit spaziert ihr

zurück ins Leben,

langsam vergessend,

was euch zerriss,

wer es euch nahm.


Ich wandre weiter,

gemeinsam im Leid,

einsam im Glück,

beschädigte Ware,

Sammelbecken gescheiterter Träume.


Samstag, 10. September 2011

Shooting mit Dirk

Heute gibts mal wieder Portraits, und das zur Abwechslung auch mal wieder von einem Mann.

Mit Dirk habe ich vor einiger Zeit am frühen Morgen das Frankfurter Mainufer unsicher gemacht und dabei sind einige Portraits rausgekommen, die mir sehr gut gefallen und die ich deshalb jetzt auch mal hier mit euch teilen möchte.

Hier die Bilder und dann schnapp ich mir auch schon wieder die Kamera und schau mal, was die Stadt heute so im Sonnenschein zu bieten hat.











Sonntag, 4. September 2011

Lost Places

Neben dem Photographieren von Menschen habe ich auch eine große Faszination für Orte, die von eben diesen zurückgelassen wurden. Wohnstätten oder Industrieanlagen, die nicht mehr verwendet werden und verlassen wurden.

An einigen Stellen erkämpft sich die Natur wieder ihren Platz, verdrängt langsam aber sicher die Hinterlassenschaften der Menschheit An anderen Ecken findet man einzelne Hinterlassenschaften derer, die früher hier ihre Zeit verbracht haben, aber nicht alles mitnehmen konnten oder wollten. All das erzählt kleine Geschichten oder weckt zumindest Fragen danach, wie es früher hier aussah. In Gedanken lässt man wieder Menschen durch die verlassenen Hallen wuseln, arbeiten, reden oder ebenfalls nur den Ort in Gedanken versunken betrachten.

Die Vermischung der alten Orte, dem zunehmenden Verfall und der sich weiter ausbreitenden Natur gibt vielleicht einen kleinen Einblick in die Welt, die entsteht, nachdem wir Menschen sie entgültig verlassen haben. An anderen Ecken verbindet sich das alte aber auch mit dem modernen, vielerorts behalten zumindest Sprayer noch diese Orte in Erinnerung und nutzen sie als Leinwand für ihre Kunst.

Da mich diese Orte ebenfalls anziehen, nutze ich sie immer mal wieder als Platz für mein photographisches Schaffen, oft in Verbindung mit Personen, immer mal ist aber auch rein der Ort selbst mein Motiv. Und in diesem Sinne möchte ich noch ein paar Bilder zeigen von einem verlorenen Ort, bevor er noch weiter verschwindet.