Posts mit dem Label Photographie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Photographie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 6. Februar 2012

Marburg on Ice, Teil 2

Es gibt noch ein paar Bilder zu zeigen von der gefrorenen Lahn. Ohne viel Worte, die Bilder hier:





Marburg on Ice

Die letzten Tage war es doch relativ kühl in Marburg, so dass die Lahn zu großen Teilen zugefroren ist. Letzten Sonntag hab ich die Gelegenheit genutzt und mich mit aufs Eis gewagt und das Treiben dokumentiert, was sich dort so ereignet hat. Street Photographie kann also auch auf und um einem gefrorenen Fluss drum herum stattfinden. ;)





Montag, 9. Januar 2012

Streets of Berlin

Ende des vergangenen Jahres habe ich mich ja für ein paar Tage nach Berlin verabschiedet und mich die meißte Zeit der Street Photographie gewidmet. Davon gab es aber bisher hier kaum was zu sehen. Das hol ich jetzt mal nach und gebe einen Einblick darin, was mir Berlin so für Bild gewordene Momente beschert hat.





Sonntag, 8. Januar 2012

Warum eigentlich analog?

Eine gute Frage. Warum hab ich eigentlich angefangen auch analog zu photographieren? Manche sagen, man photographiert bedachter. Weil man für jedes Bild bezahlen muss, nimmt man sich mehr Zeit, um darüber nachzudenken, ob man dieses Photo wirklich machen will. Außerdem wäre es durch die Beschränkung auf 36 Bilder (beim regulären Kleinbild-Film) notwendig, sich stärker zu beschränken und nicht die oft beschrienen hundert Bilder von einem einzigen Motiv zu machen. Waren das Gründe für mich, damit anzufangen? Nein. Merkt man diese Sachen beim photographieren? Ja und nein.

Durch die Beschränkung und die Kosten nehme ich auch wahr, dass ich deutlich weniger Bilder auf einer Tour mache, es ist also ein Effekt da. Heißt das zwingend, dass ich mir bei jedem Motiv mehr Zeit nehme? Nein. Besonders in der Street Photographie hab ich diesen Luxus überhaupt nicht, mir erstmal eine halbe Stunde das Motiv zu überlegen. Die Momente sind viel zu flüchtig und es muss auch schnell gehen. Wie ist es bei statischeren Motiven? Da nehme ich mir tendenziell mehr Zeit, allerdings tue ich das digital auch oft, wenn ich nicht gerade nur mit Kamera in der Hand von einem Ort zum nächsten hetze. Bei diesen Motiven zeigen sich allerdings tatsächlich Unterschiede in meinem Photographie-Verhalten. Mit der digitalen Kamera löse ich öfter beim mich mit dem Motiv vertraut machen auch schon mal aus. Bei der analogen tue ich es meistens nur einmal am Ende.


Ist das besser? Nicht unbedingt, letztendlich ist es nur anders. In der Digitalphotographie arbeite ich mich dann am Motiv ab, nähere mich ihm und erstelle auf dem Weg öfter quasi Skizzen-Bilder. Manchmal eröffnen erst diese mir den gesuchten Blick, dadurch, dass ich bei deren Betrachtung schon genauer sehe, was ich will und damit dann auch genauer weiß, wie ich das Motiv inszenieren möchte. In der Analog-Photographie läuft dieser Prozess stärker rein im Kopf ab. Auch das schadet nicht, sich das Motiv erst einmal rein in Gedanken zu nehmen, in seine Komponente zu zerstückeln, um dann zu entscheiden, wie es im fertigen Bild zusammen kommen soll. Beide Ansätze finde ich spannend, keinen aber per se besser. Das wichtige ist das Resultat, der Weg dahin im Nachhinein unbedeutend, solange er ermöglicht hat, zu erreichen, was ich erreichen wollte.

Das spannende dieses anderen Ansatzes, auch das dabei nicht direkt kontrollieren können, ist aber schon mal ein Reiz, der mich zur Analog-Kamera hat greifen lassen. Und auch wenn ich in dieser Beschäftigung mit der nicht-digitalen Photographie viel Potential für meine Weiterentwicklung sehe, ist das analog photographieren für mich primär: Ein Abenteuer, ein Spiel. Ich fühle mich dabei losgelöster von einigen Prinzipien, die mein Arbeiten in der Digitalphotographie prägen. Auch von meiner Erfahrung mit der digitalen Seite bin ich befreit. Das klingt vielleicht erstmal nicht gut, allerdings erlaubt es mir das Ganze spielerischer anzugehen. Bei meiner Digitalkamera weiß ich recht genau, wie das Bild aussehen wird, das auf dem Monitor auftaucht. Bei Analog-Kameras, die mir neu sind zusammen mit Filmen, deren Charakter mir nur vage schon klar ist, fehlt diese Sicherheit.


Und das bringt mich dazu, öfter auch mal wieder Photos zu machen mit der simplen Motivation, herauszufinden, wie das Motiv photographiert aussehen wird. Diese Unsicherheit hat etwas Rauschhaftes. Für einen Moment gebe ich einen Teil der Kontrolle ab und gebe mich ganz dem Moment hin. Auch die Bilder zur Entwicklung abzugeben und bereits fertig von dieser zurück zu bekommen und sie dann zum ersten Mal zu sehen, hat etwas mit Kontrollverlust zu tun. Ich werde quasi vor vollendete Tatsachen gestellt, wohingegen in der Digitalphotographie die Entwicklung des Rohbilds rein in meiner Kontrolle liegt. (Vielleicht ändert sich der Punkt mal, sollte ich auch selbst mit dem Entwickeln anfangen, die Zukunft wird es zeigen).

Hier ist sicher auch ein Punkt, in dem ich viel für meine Photographie allgemein lernen kann/werde. Während ich mich allgemein schon gerne mit den Lichtverhältnissen und den Unterschieden zwischen den hellen und dunklen Bereichen beschäftige und so versuche, das Licht zu verstehen, scheint es mir, als müsste ich bei der Analog-Photographie da genauer sein. Allein schon weil ich die Entwicklung nicht selbst in der Hand nehme und somit Fehler, die ich mache, relativ ungeschönt vor Augen gehalten bekomme, sobald ich die Abzüge in der Hand halte. Aber auch, weil ich (hauptsächlich) in schwarz-weiß photographiere und hier der Kontrast zwischen hell und dunkel sehr viel Gewicht hat. Zwar ist meine Digitalphotographie auch sehr schwarz-weiß-lastig, allerdings bleibt immer die Option der Farbe vorhanden und vor allem fällt die Entscheidung darüber, wie kontrastreich ich das Bild in schwarz-weiß konvertiere erst am Rechner. Beim analogen Photographieren ist sie schon zu einem guten Teil mit der Wahl des Films gefallen und dafür Lichtverhältnisse passend einzuschätzen erfordert noch etwas genaueres lernen und erforschen des Kerns der Photographie, des Lichts.


Ein zusätzlicher Grund für die Analog-Photographie ist für mich ein ankämpfen gegen meinen eigenen Perfektionismus. Alte Kameras vom Flohmarkt bringen so ihre Macken mit sich, will ich technische Perfektion, ist das bereits hier zum scheitern verurteilt. Doch auch in meiner Digitalphotographie habe ich schon einige Zeit angefangen, mich zu fragen, was eigentlich für mich Perfektion ausmacht. Die Relevanz der Technik bröckelt da immer mehr weg und das Gefühl, den Eindruck, den ein Bild vermittelt wird zum eigentlichen Gradmesser dafür, wie nah man an Perfektion heran gekommen ist. Trotzdem merke ich immer wieder bei der Selektion meiner digitalen Bilder, wie ich einzelne für kleine technische Mängel aussortiere. Mit dem öfter analog photographieren (und dem generell diese Ansichten durchdenken) komme ich aber immer häufiger dazu, vor dem Aussortieren die Frage zu stellen, ob dieser Mangel das Bild und seine Aussage eigentlich wirklich stört oder ob es seine Stärke aus anderen Kriterien zieht.

Bei diesem sich der zumindest theoretischen Möglichkeit zur technischen Perfektion Beraubens könnte man die Frage stellen: Warum analog und warum nicht das Handy? Auch das liefert mir technisch einen deutlich geringeren Standard als meine Spiegelreflex, dafür müsste ich aber nichts für die gemachten Bilder bezahlen. Die Antwort darauf ist sehr persönlich: Ich mag schlicht das Gefühl, mit diesen alten Kameras zu hantieren lieber, als mit dem Handy. Mit dem finde ich das photographieren durch fehlen eines Auslöseknopfs und eines Suchers verbunden mit der notwendigen Handhaltung reichlich unkomfortabel. Das ist bei meinen Film-Kameras anders. Da mag ich das Handling schlicht. Zusätzlich mag ich eben das abenteuerliche des nicht Wissens, ob ein Bild gelungen ist, bis ich die Abzüge bekomme. Es ist ein komischer Reiz, irgendwo zwischen geheimnisvoll, vor Neugier platzen und einem leichten Masochismus.


Ein letzter Punkt, der mich zum analog photographieren gebracht hat, ist schlicht, dass man am Ende den ganzen Film auch als Abzüge in Händen hat. Zwar lasse ich auch öfter digitale Bilder von mir printen, aber dass sind dann immer nur die absoluten Favoriten und als ganzes erzählen diese eine sehr unvollständige Geschichte. Bei den Abzügen mischen sich die gelungenen mit den mittelmäßigen und den miserablen Bildern. Gelungene Experimente und gescheiterte bleiben zusammen, die präzise gemachten Bilder werden durch die fehlerhaften ergänzt. All das zusammen erzählt mir (und denen, die mal alle Bilder zusammen zu Gesicht bekommen) die ganze Geschichte dieser Rolle Film, den Weg über misslungene hin zu vielleicht nur dem einen interessanten Bild darin. Zudem finde ich es total spannend, durch einen Stapel Photos zu stöbern und viel angenehmer als das am Rechner in chaotischen Ordnern zu tun. Und damit ich das nicht nur mit den alten Familienphotos machen kann, die bei mir so rumliegen, sondern auch mit meinen eigenen Bildern, photographiere ich jetzt auch analog. Die Digitalphotographie ersetzen wird das wohl eher nicht und vielleicht bleibt es eine Phase, die bald wieder verschwindet, aber derzeit genieße ich einfach dieses Abenteuer und schaue mal, wo es mich noch so hin führt.







Donnerstag, 15. Dezember 2011

Die Bewegung in der Photographie

Bewegung ist in der Photographie so eine Sache. Durch die Form des Mediums wird ein Moment eingefroren und im Prozess der Aufnahme nimmt man diesem Moment neben der räumlichen Tiefe auch die Komponente des Fortlaufens der Zeit. Alles bleibt stehen, quasi gefangen im Bruchteil einer Sekunde, dem vorher und nachher beraubt.

Diese Reduktion auf diesen Augenblick ist ein wichtiger Teil der Ästhethik der Photographie, besonders in den dokumentarischeren Genres wie Photojournalismus, Konzertphotographie oder auch Street. Es wird ein Abbild aus einer Gesamtsituation herausgerissen und soll darin die Situation zusammenfassen und ihre Geschichte erzählen. Manchmal gelingt das besser, manchmal schlechter und manchmal vermittelt dieser aus der Zeit herausgerissene Moment sogar eine ganz andere Stimmung als die tatsächlich vorhandene.

Diese Besonderheiten der Photographie lassen sich gut zur Gestaltung seiner eigenen Arbeiten nutzen, aber die Mittel sind auch nicht darauf beschränkt, dass man diese Momente nur klar und scharf abgelichtet aus dem Zeitfluss herausschneidet. Stattdessen kann man auch mit diesem Kontrast einer sich stetig bewegenden und verändernden Welt und einem statischen Bild spielen. Mit längeren Belichtungszeiten, als man von allerlei Lehrbüchern empfohlen bekommt, verschwimmen plötzlich etwa die sich bewegenden Menschen. Und hier bekommt man eine ganz andere Ästhetik zu Gesicht. Man lässt quasi die Zeit normal weiterlaufen, sich die verschiedenen Teile eines Momentes aneinanderreihen und statt diesen mit der Kamera in seine Einzelteile zu zerlegen nimmt man stattdessen diese Reihe von Augenblicken und drückt sie in einen einzigen zusammen.

Dadurch entstehen Bilder, die noch weniger mit unserer regulären Wahrnehmung zu tun haben als die scharfen Ausschnitte aus dem Vorbeijagen der Zeit. Manchmal wirken sie geisterhaft, manchmal dynamisch, hektisch und besonders in der Kombination von sich bewegenden und statischen Elementen auch surreal.

Um dem auch ein paar praktische Beispiele hinzuzufügen, habe ich etwas in meinem Street-Archiv gewühlt und eine kleine Auswahl an Bildern zusammengestellt, bei denen ich die Grenzen der “üblichen” Belichtungszeiten deutlich überschritten habe und damit ganz andere Eindrücke einfangen konnte.

In diesem Sinne, gebt den Leuten in euren Bildern auch mal etwas Zeit, ihre Bahnen durch euer Bild zu ziehen.






Freitag, 21. Oktober 2011

Worte, ein Bild. Die Zweite.


Um Worte ringen,
im Krieg liegend
mit dem eigenen Hirn,
scheitert der Versuch
ein wenig Sprache herauszuwringen
wie dreckige Wassertropfen
aus nassen Lappen.
Versteckt in Stille,
voller Drang zu schreien,
doch was?

Das Hirn rast,
die Zunge bleibt liegen,
wie gelähmt im Mund,
der zum Sprechen
nicht taugt.
Kaum ein Blick
und die Gedanken,
sie rennen los.
Bauen Zukunftsgebilde,
lassen im Farbenrausch
ganze Welten entstehen,
bis sie im Schweigen
wieder versinken,
vergessene Universen
vom schwarzen Loch
gefressen.

Samstag, 30. Oktober 2010

Die Obsession Photographie

Heute wirds persönlich hier. Ich habe mich mal dran versucht mein Verhältnis zur Photographie in Worte zu fassen, würde mich freuen dann auch zu hören, wie ihr es so damit haltet.

Wenn mich jemand nach meinen Hobbys fragt, fällt es mir immer schwer da Photographie zu nennen. Hobby wirkt da so belanglos, etwas was man tut, wenn man zu viel Zeit hat und sonst nichts besseres zu tun. Das ist da einfach zu schwach, fast verniedlicht. Seit ich vor zweieinhalb Jahren die Kamera in die Hand genommen hab fiel es mir sehr schnell schwer, sie überhaupt mal wieder wegzulegen. Ohne große Eingewöhnungszeit wurde die Jagd nach den Bildern zu einer Leidenschaft, die stellenweise an Besessenheit grenzt, die Photographie wurde meine Obsession.

Und das ist sie bis heute geblieben, nicht abgeschwächt, eher ständig wachsend. Soweit ich mich zurückerinnern kann war ich immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, mich auch kreativ auszulassen. Versuche mit Malerei und Musik verliefen sehr schnell im Sand, das Schreiben begleitete mich deutlich länger, doch blieb es fast Hobby, erst als ich mich der Photographie zugewendet habe, fand ich das Medium, was meine Gedanken heute so gefangen hält. Das klingt, als wäre es etwas schlechtes, aber so mögen es vielleicht nur die in meinem Umfeld empfinden, denen ich mit dem photographieren auf die Nerven gehe. Mich selbst belastet es nicht, vielmehr ist es eine Befreiung.

Cartier-Bresson nannte die Photographie eine Art zu schreien, und manchmal ist sie das, ein Weg der Welt seine Meinung, seine Gefühle und Sehnsüchte entgegen zu schreien, statt sie in sich einzuschließen. Manchmal ist sie aber auch nur ein Flüstern, ein sanfter Hinweis auf die Welt der Gedanken, die hinter den Bildern liegen, entdeckbar für die, die wirklich suchen, ein Geheimnis für die, die nur kurz vorbei schauen.

So oder so ist es meine Methode geworden, die Bilder, die bisher in meinem Kopf gefangen waren auch außerhalb meiner Gedankenwelt zugänglich zu machen. Das gelingt selten genauso, wie gedacht, aber mit mehr Übung nähere ich mich dem Gedankenbild mehr und mehr an, die Grenzen zwischen Vision und Realität werden kleiner, durchlässiger. Doch auch die Realität drängt sich mehr und mehr in die Visionen, die mich umgebende Welt ist kein rein passiver Gegenstand, den ich für meine Bilder verwende.Man trainiert den Blick, schärft das Auge und mehr und mehr fallen einem dann kleine und große Details auf, die sonst im Alltagssog verloren gingen, an denen man, ohne sie zu beachten, vorbeiging.

Gerade sitze ich im Zug nach Hamburg und sehe die niedersächsische Landschaft am Fenster vorbeieilen. Und überall schreien sie fast zurück, die noch ungemachten Bilder, die Möglichkeiten etwas zu kreieren. Kurz tauchen sie auf, bevor sie wieder verschwinden, bevor andere auftauchen, näher, lauter. Die Photographie hat da mein Leben reicher, voller gemacht. Wo früher die Welt nur vorbeigerauscht ist, “spricht” sie heute mit mir, es entsteht eine Art visueller Dialog zwischen mir und den Dingen, den Häusern, den Straßen, den Wäldern, den kleinen Ecken und Kanten, die kaum auffallen. Die Welt singt ihr Lied und mehr und mehr bin ich fähig, auch zuzuhören.

Oft sind meine Fähigkeiten noch zu gering, um dem wirklich gerecht zu werden, um wirklich das “Gehörte” in ein Bild zu bannen. Da kommt dann oft eine gewisse Unzufriedenheit mit mir und meinen Fähigkeiten auf, doch im Gegensatz zu meinen Versuchen mit der Musik schreckt mich das nicht ab, es treibt mich weiter vorwärts, mehr auszuprobieren, zu lernen, besser zu werden, die Bilder, die in meinem Kopf entstehen auch auf den Sensor und letztendlich auf Papier zu bannen.

Für mich ist die Photographie so etwas sehr persönliches, dass ich aber gleichzeitig mit anderen Menschen teilen kann, zum einen, in dem ich ihnen meine Bilder zeige, die vielleicht mehr über mich verraten, als mir manchmal lieb ist, aber zum anderen auch indem ich sie als Motiv vor meiner Kamera begrüßen darf. So kann ich sie einbeziehen in meinen visuellen Dialog mit der Welt und gemeinsam kreiert man noch etwas anderes, Portraits, die nicht nur etwas über mich, sondern auch über den Portraitierten aussagen oder auch Fashion und Beauty, Genres, in denen ich mehr auf der Jagd nach meiner eigenen Vorstellung von Ästhetik bin, dem Versuch nicht einfach nur Wahrheiten abzubilden, sondern meine eigene zu erzählen, nicht nur dem Strom an Meinungen zuzuhören, sondern meine eigene dem hinzuzufügen, sie dem Rest der Welt entgegen zu schreien oder zu flüstern. Manchmal sind Bilder laut, manchmal leise, aber für mich immer persönlich, ein Teil von mir, den ich mit der Welt teilen kann.

Und damit das Ganze nicht leeres Gerede bleibt oder hier nur noch Text steht, bring ich auch Bilder aus der Hansestadt mit, die ich in Ruhe in Lightroom verfeinern konnte, während der Zug mich durch die Nacht wieder nach Hause transportiert hat. Jetzt also endlich zu den Bildern: 
























Montag, 25. Oktober 2010

Photographie versus Photoshop

Heute soll es zur Abwechslung mal einen deutlich textlastigeren Beitrag hier geben. Schon seit einer Weile begegnet mir in der Photo- und besonders da der Blogger-Welt immer wieder die Diskussion um die Nutzung von Photoshop. Und da wollte ich doch auch mal meinen Senf dazu geben.

Vielfach wird groß darüber lamentiert, dass ja ach so viele sich nur auf Photoshop verlassen würden, um damit misslungene Bilder wieder hinzubiegen. Das hätte dann natürlich nichts mehr mit Photographieren zu tun. Da schwanken dann die Lager noch zwischen denen, die meinen Photoshop zu benutzen wäre noch ok, solange es nur der Verfeinerung dient, und denen, die die Bildbearbeitung scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Während die erste Gruppe noch meistens recht vernünftig erscheint, handelt es sich bei den zweiten oft um ziemliche Hardliner, die in vielen Fällen noch den seligen Zeiten der Analog-Photographie hinterherhängen, wo ja alles viel besser gewesen wäre, da man ja eh nicht so viel bearbeiten konnte. Dass das allerdings Unfug ist wird schnell deutlich, wenn man sich mal etwas mehr mit der Geschichte der Bildmanipulation beschäftigt (das bekannte Beispiel der rund um Stalin nach und nach wegretuschierten Genossen mag da mal als ein Zeichen für herhalten). Aber allein der gesamte Entwicklungsprozess ist ja bereits eine einzige chemische Manipulation, andernfalls käme gar kein “normales” Bild am Ende auf das Photopapier.

Ähnlich unmöglich ist das sogenannte Out-of-the-Camera- Bild, dass allein durch die meisterhafte Beherrschung der Kamera durch den Photographen bereits perfekt und unbearbeitet aus der Kamera kommt. Da gibt es zwei Varianten, wie das Bild aus der Kamera kommen kann, als Raw-Datei oder als JPG. Das Raw-Bild wäre dass, was man noch am ehesten als unbearbeitet bezeichnen kann, das hat aber auch zur Folge, dass etwa Kontrast und Farben sehr flau sind, wenn man es auch so belässt. Nutzt man die JPG-Variante sieht das anders aus, allerdings verschiebt man den Punkt der Bearbeitung nur, indem man sie der Kamera überlässt (unter Berücksichtigung einiger einstellbarer Parameter). Das ist aber genauso unbearbeitet, wie wenn man einen Analog-Film ins Labor schickt und dort von jemand anderem entwickeln lässt. Die Verantwortung an der “bösen” Bildbearbeitung wird nur auf die Schultern von jemand anderem abgeladen, das eigene Gewissen bleibt rein.

Natürlich plädiere ich nicht dafür, dass man seine Bilder möglichst schlecht photographiert, nur damit man möglichst viel in der Bildbearbeitung zu tun hat. Dadurch, dass man bereits möglichst nah an das herankommt, was man am Ende als Resultat haben will, macht man sich vieles deutlich einfacher. Wo ich mich allerdings gegen wehre ist der Glaube, ein Bild wäre besser dadurch, dass es weniger bearbeitet ist. Letztendlich zählt das Endresultat, der Weg dahin mag für den Schaffenden des Werkes wichtig sein, aber für den Betrachter eines Kunstwerkes (und als solche sehe ich auch die Photographie) zählt nur das fertige Werk. Das kann als gut, schlecht, inspirierend, beeindruckend, abstoßend und viele andere Dinge empfunden werden, aber für die wenigsten dürfte der Weg zum Bild von Bedeutung sein. Ähnlich könnte man eine Diskussion anfangen ob Öl- oder Aquarell-Gemälde per se besser wären.

Oft wird argumentiert ein schlechtes Bild wird nicht gut durch Photoshop und in den meisten Fällen stimmt das, aber das Problem ist nicht Photoshop sondern das schlechte Bild. Auch ohne Photoshop bleibt es ein schlechtes Bild, dadurch, dass man lange erzählt, dass dass doch die pure, reine Photographie wäre ändert sich nichts an einem schlecht komponierten, falsch belichteten, verwackelten Bild. Viel relevanter als die Mittel ein Kunstwerk zu erstellen, ist die Intention des Künstlers. Danach sollten die notwendigen Mittel benutzt werden, ein Glaubens”krieg” um die Werkzeuge ist da genauso hirnrissig wie die endlosen Diskussionen, welche Kameramarke denn nun die beste wäre. Die verwendeten Werkzeuge müssen dem Zweck angepasst werden, nicht umgekehrt.

Natürlich kann man bei stark bearbeiteten Bildern, etwa Composings, diskutieren, ob das Ganze noch Photographie ist oder ob etwa ein Titel wie Digital Art passender wäre. Aber auch das ist nur eine Genre-Definition, kein Qualitätsurteil. Photographie ist nicht besser als Digital Art, Malerei nicht besser als Photographie. Das Endresultat eines Genres kann einen mehr ansprechen als ein anderes, aber dann weil es ein gutes Werk ist, eines, dass in uns eine Reaktion auslöst, nicht weil es mit dem oder dem Werkzeug gemacht wurde.

Mein Fazit damit ist dann wohl, dass man sich weniger Sorgen darum machen sollte, ob man die richtigen Werkzeuge in der richtigen Gewichtung benutzt, sondern mehr darum, ob man am Ende ein Resultat produziert hat, mit dem man selbst zufrieden ist. Im Idealfall beherrscht man hierzu alle verwendeten Werkzeuge gut, oder arbeitet eben weiter an seinem Können (was man sowieso immer sollte). Aber sich ewig mit der Frage aufzuhalten, ob man sich noch Photograph schimpfen darf oder ob man dafür schon zu viel Photoshop benutzt hat, ist schlicht und ergreifend Zeitverschwendung.

Jetzt hoffe ich, mit dem langen Text nicht zu sehr genervt zu haben und würde gerne hören, wie ihr das so seht. Also sag ich mal “Feuer frei.”